Siemens steigt aus der Computer-Sparte aus

fsc_logo.gifSiemens verkauft Fujitsu-Siemens-Anteil an Fujitsu

Der Siemens-Konzern steigt aus dem Computerbau aus. Damit geht die Konzentration aufs Kerngeschäft weiter.

“Wir freuen uns, dass unser Joint-Venture-Partner Fujitsu unsere Beteiligung an Fujitsu Siemens Computers übernimmt”, sagte Finanzchef Joe Kaeser heute in München. Der Kaufpreis für die 50 Prozent liegt bei rund 450 Millionen Euro.

Der Abschluss des Geschäfts ist zum 1. April kommenden Jahres geplant.

Seit einigen Monaten gab es Spekulationen über einen Ausstieg von Siemens. Direkt nach seinem Amtsantritt hatte sich Konzernchef Peter Löscher unzufrieden mit der Rendite der Halbtochter gezeigt. In diesem Jahr nun bestand die Möglichkeit, die Zusammenarbeit mit den Japanern zu beenden. Die beiden Unternehmen hatten 1999 ihre Computeraktivitäten in Europa und den angrenzenden Regionen zusammengelegt.

Mit dem Verkauf geht auch Fujitsu-Siemens-Chef Bernd Bischoff. Der bisherige Finanzchef Kai Flore übernimmt die Führung des Computerbauers.
Bei Fujitsu-Siemens arbeiten rund 10.000 Menschen weltweit … in Deutschland rund 6.200. Das Stammwerk liegt in Augsburg, das zweite deutsche Werk in Sömmerda. Hier werden vor allem Desktop-Rechner und Grossrechner produziert. Notebooks und Monitore kommen aus China. Einschnitte bei den Mitarbeitern soll es vorerst keine geben.

“Wir übernehmen einen umfangreichen Kundenstamm in den EMEA-Ländern sowie Kapazitäten im Bereich Forschung und Entwicklung”, begründete Fujitsu-Präsidet Kuniaki Nozoe die Komplettübernahme. Fujitsu war es nach dem Partnerschaftsvertrag bislang untersagt, sein Computergeschäft auf Europa auszudehnen, genauso wie Fujitsu Siemens nicht nach Asien und Amerika vorstossen durfte. Geschäftlich waren Mutter und Tochter aber eng verbunden. Fujitsu Siemens bezog einen Teil seiner Notebooks von den Japanern, diese wiederum griffen auf die Grossrechner aus deutscher Produktion zurück.

Bei Fujitsu Siemens liefen die Geschäfte zuletzt nicht sehr gut … insbesondere der schwache Dollar hatte das Gemeinschaftsunternehmen hart getroffen. Asiatische Konkurrenten - allen voran die taiwanische Acer - konnten sich durch Kampfpreise Marktanteile sichern. Von seinen Wachstumszielen hatte sich Firmenchef Bischoff bereits zur Jahresmitte verabschiedet. Fujitsu rechnet nunmehr damit, dass der Umsatz von zuletzt 6,6 Milliarden Euro gar auf rund 6,0 Milliarden Euro zurückgeht. Zum Ergebnis äusserten sich die Japaner nicht. Im vergangenen Geschäftsjahr 2007/2008, das im März endete, hatte Fujitsu Siemens vor Steuern 105 Millionen Euro verdient.

Um dem Preisdruck bei Hardware zu entgehen, setzt Fujitsu Siemens seit einiger Zeit auf umfangreiche Services für Geschäftskunden - etwa die Wartung der Computer oder die Ausstattung der Rechner mit Software. Die Bedeutung des Privatkunden-Geschäfts nimmt dabei immer weiter ab. Fujitsu widersprach jedoch Spekulationen, diesen Bereich abstossen zu wollen. Was wegfällt, ist allerdings der Markenname “Siemens”. Spätestens Anfang 2010 werden die Produkte nur noch unter “Fujitsu” verkauft.

Für die deutsche Mutter war die Tochterfirma seit einiger Zeit nur noch Randgeschäft. Konzernchef Löscher konzentriert das Unternehmen auf die drei Standbeine Industrie, Energie und Medizintechnik. Im Rahmen des Umbaus trennte sich Siemens bereits von seinem defizitären Telefonanlagen-Bau SEN sowie dem wenig profitablen Schnurlostelefon-Hersteller SHC. In beiden Fällen steckte das Unternehmen zuvor noch Geld in die Töchter, um deren Überleben auch nach dem Ausscheiden aus dem Konzern sicherzustellen. Siemens nahm dabei hohe Verluste in Kauf.

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